"Wind-WAHN-Nein-Danke Bad Mergentheim e.V." Verein bekräftigt in Althausen beim Bürgerdialog am 07.10.2013 ihre Positionen

Tiefes Misstrauen und Ablehnung der Windkraft-Pläne offenbarte die städtische Informationsveranstaltung in Althausen. Erstmals saß dabei die Bürgeriniative "Wind-WAHN-Nein-Danke Bad Mergentheim e.V." gleichberechtigt auf dem Podium.

Obwohl es fast vier Stunden dauerte, eine Annäherung der Positionen gab es nicht, und dennoch gingen die etwa 100 Teilnehmer am Ende nicht unzufrieden auseinander. Oberbürgermeister Udo Glatthaar sprach gar von einer neuen "Qualität des Bürgerdialogs", denn erstmals saßen mit Klaus Ulmrich und Franz Adam zwei Vertreter des Vereins "Wind-WAHN-Nein-Danke Bad Mergentheim" gleichberechtigt auf dem Podium einer städtischen Informationsveranstaltung.

Die Stadt löse das Versprechen ein, nochmal in den betroffenen Teilorten zu informieren, sagte eingangs OB Glatthaar, an dessen Seite mit Andreas Lehr (CDU), Josef Wülk (Freie Wähler), Klaus-Dieter Brunotte (SPD) und Thomas Tuschhoff (Grüne) die Sichtweisen der Gemeinderatsfraktionen darstellten. Ulmrich und Adam wiederum bekräftigten die Position der Gegner der Anlagen westlich von Althausen: Sorge um die Zerstörung der Kulturlandschaft, Verlust von Lebensqualität, gesundheitliche Gefährdung durch Infraschall und Einschränkungen durch Schattenschlag umriss Klaus Ulmrich die Punkte, die Anlass zur Gründung der Bürgerinitiative waren. Der hartnäckige Einsatz der binnen kurzer Zeit auf mehr als 300 Mitglieder angewachsenen Bürgerinitiative habe zu einem Nach- und Umdenken geführt. Schwer verständlich sei, dass die Stadträte sich nicht positionieren. Ulmrich appellierte, von Windkraft-Standorten westlich von Althausen und im Spitalwald abzusehen. Die Bewohner seien künftig bereits durch den Boxberger Windpark ohnehin belastet, es werde zu Wegzug von Einwohnern kommen und der ländliche Raum werde zum großen Verlierer der Energiewende.

Franz Adam prangerte Gier und Goldgräberstimmung an. Er kritisierte den Landtagsabgeordneten Dr. Wolfgang Reinhart ob dessen einstigen Engagements für einen Windkraftprojektierer. Landrat Reinhard Frank warf er vor, die Menschen in den Dörfern zu "Menschen zweiter Klasse" zu degradieren, weil er die touristisch interessante Taubertallage frei von Windkraftanlagen und den Blick darauf halten wolle, während die Menschen in Dörfern direkt damit konfrontiert seien.

Es sei inzwischen klar, dass der deutsche Energiewenden-Alleingang eine Billion Euro kosten werde und nicht einmal 0,0001 Grad zur Veränderung des Weltklimas beitragen werde. Viele Widersprüchlichkeiten gebe es, der Windatlas bestehe nur aus Hochrechnungen. Dass alles Schwindel sei, zeige sich auch daran, dass inzwischen sehr viele Betreiber von Windkraftanlagen von Insolvenzverfahren betroffen seien. Adam prognostizierte, die Stadt werde später einen Zuschuss beisteuern, damit Windkraftanlagen auf Bad Mergentheimer Gemarkung betrieben werden können.

Für die CDU-Fraktion umriss Andreas Lehr die Leitlinie, eine maximale Reduzierung von 50 auf 16 bis 18 Anlagen zu erreichen. Nach wie vor stehe die CDU zu einem Bürgerentscheid/-befragung. Lehr  (selbst auch Bürgermeisterstellvetreter) erklärte, die Stadtverwaltung mache einen guten Job. Es sei ihre Aufgabe, das Flächennutzungsplanverfahren ordentlich durchzuführen. Dies sei wichtig, um Wildwuchs zu vermeiden, zudem habe die Kommune mit einem Bebauungsplan ein regulierendes Instrument an der Hand. Kritisch beurteilte er die von der grün-roten Landesregierung vorgenommene Neuordnung des Planungsrechts. Dass Kommune und Regionalverband planen müssen, sei von der Landesregierung politisch gewollt, um möglichst viele Flächen auszuweisen.

Josef Wülk (Freie Wähler) hob darauf ab, dass zunächst die Untersuchungen der Standorte abzuwarten seien. Für seine Fraktion gelte als Linie: Ja zur Windkraft, aber nicht überall und schon gar nicht im Wald. Das Stimmungsbild der Bürger sei bekannt, allerdings sei es eine Angelegenheit der ganzen Stadt und somit nicht ganz demokratisch, wenn nur Apfelbach und Althausen Gehör fänden. Die Stadt müsse den gesetzlichen Vorgaben und Planungen halten.

"Für mich wird das kein Heimspiel", stellte sich Thomas Tuschhoff klar auf die Seite der Windkraftbefürworter. Jüngste Zahlen des Weltklimarats und Ziele der Energiewende seien ebenso klar wie der Atomausstieg bis 2022. Mit einem Flächenverbrauch von 0,5 Hektar pro Windrad sei der Eingriff in die Wälder vertretbar, so Tuschhoff weiter. Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Region nannte er als weitere Pluspunkte.

Klaus-Dieter Brunotte (SPD): Es gehe darum, innerhalb rechtlich bindender Rahmen das Beste für die Bürger zu erreichen. Ohne Konzentrationszonen habe die Stadt keine rechtliche Handhabe, Windkraftanlagen zu beschränken. Jetzt eingezogene Riegel wie eine Nabenhöhe von maximal 150 Metern und ein Mindestabstand von 950 Meter seien dann hinfällig. Die Stadt müsse die Zonen ausweisen, "zu geringe Konzentrationszonen werden uns auch nicht anerkannt". Voraussetzung sei aber, die betroffenen Menschen bestmöglich zu schützen, den Tierschutz zu gewährleisten und den Waldbestand zu schonen.