Soll aus dem Main-Tauber-Kreis ein Windpark werden?

Von Birgit Ebert/Angelika Hochadel/Jana Krenk/Roswitha Smid

Beim Thema "Pro und Kontra Windkraft" herrscht zurzeit Funkstille. Wir wissen zwar, dass für den Main-Tauber-Kreis noch etwa 300 Windräder geplant sind, doch was hinter den Kulissen abläuft, wissen wir nicht.

Was wir auch noch wissen: Nach Angabe des Staatsministeriums sollen in Baden-Württemberg bis 2020 Eintausendeinhundert Windkraftanlagen erstellt werden, d.h. dass mehr als ein Viertel aller neuen Anlagen im Main-Tauber-Kreis stehen sollen!

Infolge der sich anbahnenden Neuorientierung der Energiepolitik des Bundes ist es jetzt allerdings durchaus möglich, dass bei uns im Kreis in einer Art Torschlusspanik vermehrt und übereilt Genehmigungen zum Bau von Windkraftanlagen erteilt werden, um noch in den Genuss der hohen Förderquoten zu kommen. Laut Pressebericht sind jetzt schon 60 Windkrafträder genehmigt. Die immens hohen Pachten, die den Grundstückseigentümern für einen Windradstandort geboten werden, haben natürlich Begehrlichkeiten geweckt, doch letzten Endes zahlt der Stromkunde die Zeche.

Wollen wir wirklich akzeptieren, dass unser - auch durch Fremdenverkehr geprägter - Landkreis zu einem Windpark wird und unsere schöne Landschaft samt Tierwelt einer Energiepolitik geopfert wird, die völlig aus dem Ruder gelaufen ist? Derzeit gibt es genug (und manchmal schon zu viel) Öko-Strom und jedes neue Windrad ist sinnlos, solange der überschüssige Strom nicht gespeichert werden kann (nach Expertenmeinung könnte das in etwa 10 bis 15 Jahren möglich sein). Bis dahin müssen herkömmliche, auf fossiler Basis arbeitende Kraftwerke für die Zeiten in Bereitschaft gehalten werden, in denen eben kein Wind weht. Und die pusten wegen des "stop and go"-Betriebes immer mehr CO2 in die Luft.

Es ist deshalb nicht einzusehen, dass bei uns eine Landschaftszerstörung mit immer höheren Energiegeneratoren betrieben wird und man nicht einmal vor den Wäldern und Naturschutzgebieten Halt macht (im Main-Tauber-Kreis sollen laut Planung rund die Hälfte der neuen Anlagen in Wäldern errichtet werden). Ja, selbst der Schutz des Menschen bleibt auf der Strecke, wenn die Auswirkungen des Infraschalls, den die Rotoren erzeugen, negiert werden, obwohl Forschungen in anderen Ländern die Gesundheitsbeeinträchtigungen belegt haben. Hierzu gibt es auch in Deutschland die Aussage vieler Anwohner von Windkraftanlagen (WKA), die das bestätigen.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Der Atomausstieg ist richtig! Aber es muss doch auch eine intelligente Energiewende möglich sein, die das Land nicht zerstört und Mensch und Tier nicht schadet! Es sollte eine Denkpause eingelegt werden, in der auf den Gebieten der Stromerzeugung und -speicherung, Weiterleitung und Verteilung sowie der intelligenten Verteilungs- und Verbrauchssteuerung geforscht wird.

Wenn in der Industrie und bei den Dienstleistungen, die in Deutschland 75 Prozent des Stroms verbrauchen, nur fünf Prozent eingespart würde, entspräche dies der effektiven Leistung von etwa 6000 WKAs.

Jede(r) Bürger(in) des Main-Tauber-Kreises ist mitverantwortlich für das, was hier geschieht und jeder Entscheidungsträger sollte sich der Verantwortung bewusst sein, wenn er zustimmt, aus dem Landkreis einen Windpark zu machen und damit unseren Nachkommen einen verschandelten Landstrich zu hinterlassen.

Wir alle lieben doch eine intakte Umwelt und erfreuen uns im Urlaub an unberührter Natur. Es kann nicht sein, dass unsere schöne Heimat einem unbedachten Ausbau der Windkraft geopfert wird.

Der Mensch lebt nicht vom Strom allein!

© Fränkische Nachrichten, Freitag, 29.11.2013