Realität ist wohl eine andere

Von Thomas Reiser

Sehr geehrter Herr Plonka, mit Interesse habe ich ihren Leserbrief "Ein kirchlicher Kardinalsfehler" zur Kenntnis genommen. Insbesondere ihre Äußerung als ehemaliger Dekanatsvertreter, es wäre ein Kardinalsfehler, wenn die katholische Kirche sich an einem solchen fragwürdigen, naturzerstörenden Projekt beteiligen würde, wird in den betroffenen Orten wohlwollend zur Kenntnis genommen werden.

Ich befürchte aber, die Realität wird Sie schnell überholen. Ich habe das Thema "Windkraftanlagen im Spitalwald" unter dem Aspekt der Bewahrung der Schöpfung und den vielfältigen nachteiligen Folgen für die Natur und Mensch bereits Mitte Mai Herrn Bischof Dr. Gebhard Fürst, Herrn Dekan Ulrich Skobowsky und Herrn Verwaltungsdirektor Peter Striffler vorgetragen. Ich habe hierbei verdeutlicht, dass Windkraft sehr wohl ihre Berechtigung hat, aber die geplanten Standorte im Wald nicht hingenommen werden können. Ich verwies auch darauf, dass der technische Fortschritt immer in die Natur eingebettet sein muss und diese nicht zerstören dürfe.

Herr Verwaltungsdirektor Striffler äußerte sich hierzu dahingehend, dass selbstverständlich im Rahmen einer Realisierung Rücksicht auf bedrohte Tier- und Pflanzenarten genommen werde. Im Dorfgemeinschaftshaus Neunkirchen erklärte er, es sei noch keine Entscheidung der katholischen Kirche über Windräder im Spitalwald gefallen, man stehe aber mit einem Projektierer in Verbindung. Eine Rückäußerung von Herrn Dekan Skobowsky steht aus.

Unbestreitbare Nachteile

Am 23. Juli 2013 erreichte mich nun die Stellungnahme unseres Bischofs. Der Bischof lässt über einen Vertreter des Bischöflichen Ordinariats mitteilen, dass ich zu Recht auf die unbestreitbaren Nachteile der Nutzung der Windenergie hinweise, allerdings dürfe man nicht die augenscheinlichen Vorteile der Windkraft übersehen.

Es wird u.a. ausgeführt, Atomenergie sei schlechter als Windenergie, Mitarbeiter in Windkraftwerken seien im Gegensatz zu Kernkraftwerken keinen nennenswerten Sicherheitsrisiken ausgesetzt, es gäbe keine Sicherheitsbedenken gegen Windräder, der Rohstoff Wind sei kostenlos, Windräder seien platzsparend und emissionsfrei etc.

Auf meine Bitte durch die Nichtzurverfügungstellung des Spitalwaldes für Windräder ein Signal an die anderen Grundstücksbesitzer zu setzen und somit dem Besitzer des angrenzenden Guts Üttingshof zu folgen, wurde nicht eingegangen.

Abschließend wird mir mitgeteilt, ich möge die genannten Vorteile der Nutzung der Windkraft in den Blick nehmen. Herr Plonka, haben Sie noch Fragen?

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 27.07.2013