Frevel an der heimischen Natur

Von Thomas Reiser

Wie schön wird doch in vielen Prospekten geworben: Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und entdecken Sie die besondere Atmosphäre der romantischen Urlaubs- und Gesundheitsstadt Bad Mergentheim mitten im Lieblichen Taubertal und direkt an der Romantischen Straße. Blühende Wiesen entlang der Tauber, sonnenverwöhnte Weinberge... Und über allem liegt das Flair einer bezaubernden Stadt, die ... Natur und Kultur , Gesundheit und Wellness verbindet (www.frankentourismus.de). Von Bad Mergentheim aus bieten sich vielerlei Möglichkeiten zum Wandern an. Verschiedene gepflegte Wanderwege führen durch die Hügellandschaft des Taubertals mit Wiesen, Weinbergen und Burgen... (www.bayern-reisen-urlaub.de). Bezüglich der Windraddiskussion erschienen zuletzt zwei Artikel, die die romantische Urlaubs-und Gesundheitsstadt Bad Mergentheim nachdenklich stimmen sollten. So berichten die Mittelbayrische Zeitung "Windräder als Touristenschreck" und die Fuldaer Zeitung "Die Rhön - Land der windkraftfreien Fernen" darüber, ob Windparks in bayerischen Urlaubsgebieten wie z. B. in der Rhön die Touristen vergraulen. Die Grünstromlobby hält dies für Schwarzmalerei.

Um mit harten Fakten aufwarten zu können, hatte der Bundesverband Deutsche Mittelgebirge bei der Uni Jena eine repräsentative Studie zur Akzeptanz von Windenergieanlagen in deutschen Mittelgebirgen erstellen lassen, deren Ergebnisse jüngst auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin vorgestellt wurden. Demnach stehen 31 Prozent der Befragten einer Zunahme von Windkrafträdern negativ gegenüber. 26 Prozent stimmen sogar der Aussage zu, dass für sie eine Region als Urlaubsziel nicht mehr infrage komme, wenn sich solche Anlagen an Aussichtspunkten oder entlang von Rad- und Wanderwegen befinden.

So kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass die Verantwortlichen sich durchaus bemühen, die neuen Windparks dergestalt zu "verstecken", dass sie vom Tauber-grund aus nicht zu sehen sind. Dies zeigt aber, dass ihnen sehr wohl bewusst ist, dass die Urlaubsregion "Liebliches Taubertal" Umsatzeinbußen erleiden könnte.

Die geplanten Windkraftanlagen in der Größe des Stuttgarter Fernsehturms jedenfalls sind ein Frevel an der heimischen Natur und man wird sie nicht verstecken können. Wobei man sich gar nicht sicher sein kann, ob nicht noch weitere Windkraftgiganten an den ausgewiesenen Windparkflächen hinzukommen, wenn die Infrastruktur für Windparks einmal geschaffen ist. Im Übrigen ist in der Szene bereits von Nabenhöhen von 200 Metern die Rede. Auch die derzeitige Beschränkung auf 150 Meter Nabenhöhe wäre mit einem Änderungsbeschluss schnell Vergangenheit.

Die Bedeutung der Windkraft für unsere Energieversorgung im Rahmen einer künftigen nachhaltigen Energiewirtschaft ist unbestritten. Mir fehlt bei der Umsetzung aber ein bundesweites klares Konzept. Und sicherlich gibt es geeignetere Standorte, die die Natur weniger beeinträchtigen als unser Taubertal.

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 27.04.2013