Touristische Attraktivität nicht aus den Augen verlieren

Von Michael Schleicher

Zur laufenden Diskussion über Windkraftwerke im Umfeld der Stadt Bad Mergentheim und in Ergänzung der vielen beschönigenden Worte und Reden am "Tag des Baumes" über den deutschen Wald und dessen angeblich so vorbildlich nachhaltige Bewirtschaftung, möchte ich folgendes anmerken: Anstatt die Umgebung unserer Kurstadt zunehmend in die grassierende Bestückung unseres Landkreises mit problembehafteten Windkraftwerken einzubeziehen (immer mehr auch zu Lasten von Wald!), sie damit landschaftlich zu entstellen, ja im Hinblick auf ihre touristische Attraktivität zu entwerten, wäre die Entwicklung eines Nachhaltigkeitskonzeptes zum Schutz der städtischen (Erholungs-) Wälder ökologisch wie touristisch weit sinnvoller und zielführender - insbesondere vor dem Hintergrund einer sich immer weiter intensivierenden Waldbewirtschaftung.

Unübersehbar, in manchen Beständen (Beispiel Ketterwald u.a.m.) geradezu beängstigend sind die Folgen dieser - bzgl. Nachhaltigkeit mittlerweile weit mehr quantitativ als qualitativ ausgerichtete Waldnutzung für jeden ökologisch informierten Waldbesucher: ein besorgniserregender Schwund von Altholz, ja ganzer Altbaumbestände mit allen negativen Folgen.

Andererseits kaum verwunderlich unter der Prämisse des "schnellen Geldes" über langfristige ökologische Wertigkeit was Artenvielfalt (besonders Höhlenbrüter und Co.), Luftreinhaltung und Erholungswert unseres Waldes betrifft. Ein ständiger, nicht zuletzt durch die Intensivierung der Holznutzung zwecks Energiegewinnung zusätzlich angefachter Preisauftrieb weckt immer neue Begehrlichkeiten. Längst ist Deutschland - allen Holzimporten zum trotz - schon so weit (herunter-) gekommen, dass schützenswerter deutscher Wald selbst ins Ausland verkauft wird. China, das sein vieles Überschussgeld nur zu gerne in deutschen (Energie-)Wald investiert, lässt als gern gesehender Großabnehmer ganz besonders grüßen. Ein erster - umso wichtigerer - Schritt wäre, sich darauf zu verständigen, dass zumindest in der Nähe von Wanderwegen, Waldrändern und Vergleichbarem der Erholungs-, Öko- und Landschaftsaspekt von alten Bäumen vor dem rein wirtschaftlichen gewichtet wird (treffender wäre: pekuniären, denn im Hinblick auf die Ökobilanz ist - langfristig betrachtet - kaum etwas unwirtschaftlicher als das Abholzen von Altbäumen). Auch sollte dort die Devise gelten: Sanieren vor Fällen.

Fortschrittlich vorausschauende Städte wie Passau und andere haben die Zeichen der Zeit längst erkannt, Nachhaltigkeits-Initiativen gestartet und (Alt-)bäume/-bestände in ihre Naherholungskonzeption einbezogen. Allen voran die Stadt Schweinfurt, die den tatsächlichen Wert ihres Stadtwaldes würdigt, indem sie ihn im Stadtumfeld sogar zu Bannwald erklärt hat, also auf Holzeinschlag gänzlich verzichtet (was für gerade einmal 0,5 Prozent des deutschen Waldes gilt). Von Vergleichbarem ist unsere Kurstadt meilenweit entfernt und dies, wo doch die (Wald-)Uhr immer schneller tickt und Waldschutz für eine langfristige Konzeption im Hinblick auf die touristische Attraktivität der Kurstadt - ja, die "Lieblichkeit" des gesamten Taubertals schlechthin - von essenzieller Bedeutung wäre. Da lässt man lieber die Verunstaltung ganzer Stadtbereiche zu, opfert Alleebäume nebst Kopfsteinpflaster für Fernwärmeleitungen eines Holzhackschnitzel-Heizkraftwerks, bei dem sich die Frage stellt, ob es denn auch noch rentabel sein könnte, wenn all diese Kosten nach dem Verursacherprinzip 1:1 umgelegt würden und ob es nicht - aller indirekter Subventionierung zum Trotz - über kurz oder lang zusätzlichen Durchforstungsdruck generieren wird (müssen) - der "Tag des Baumes" lässt grüßen, mit vielen schönen Baumpflanzaktionen und noch mehr schönen Worten. . .

© Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 25.04.2013