Der böse Traum ist Wirklichkeit geworden

Von Verena Schöntag

In dem Glauben, damit zu mehr Umweltbewusstsein, Natur- und Artenschutz beizutragen, gab einmal eine Wählerin der Partei der Grünen ihre Stimme.

Aber als diese Partei dann auch mit Hilfe ihrer Stimme an die Macht gekommen war und die Landesregierung von Baden-Württemberg bilden durfte, veränderte sich deren Denken und Umweltbewusstsein mit einem Mal so drastisch, dass die Wählerin sich in einem bösen Traum wähnt.

Alles, was den Grünen früher einmal heilig war und für schützenswert gehalten wurde, wurde plötzlich verraten und verkauft: Früher wurde jeder einzelne Baum als Lebewesen geachtet, heute stehen die Wälder zum Ausverkauf. Ein Zauberlehrling ohne Abschluss, der sich jetzt aber Minister für Ländlichen Raumnennen darf, verlangt von seinen Forstleuten immer höhere Holzeinschläge, um die Kassen der Landesregierung zu füllen.

Aber damit nicht genug: Da die Wälder ja sowieso großflächig abgeholzt werden dürfen, kommt es auch auf die paar hundert Windradstandorte, für die wieder Wald geopfert wird, nicht mehr an.

Und wie praktisch da die Tiere, die ursprünglich im Wald lebten, dort jetzt auch keinen Lebensraum mehr haben, muss man auf sie auch keine Rücksicht mehr nehmen. Endlich haben die Windkraftinvestoren freie Bahn! Und bei der Güterabwägung zwischen den Interessen der Windkraftindustrie und dem lästigen Artenschutz verlangt der ehemals ach so ökologisch denkende Ministerpräsident, dass Spielräume bei der Genehmigung genutzt werden sollen.

Die Wählerin erwartet schon lange nicht mehr, aus diesem bösen Traum zu erwachen. Denn sie weiß, er ist inzwischen Realität.

© Fränkische Nachrichten, Freitag, 23.08.2013