Sehr nachdenklich gestimmt

Von Thomas Reiser

Es verwundert immer wieder aufs Neue, wie gebetsmühlenartig die Grünen und die hiesige Naturschutzgruppe, so auch der Verfasser des Leserbriefes vom 14. Mai "Für mehr Sachlichkeit", der ehemalige Förster Helmut Klöpfer, erklären, dass der Bau und Betrieb eines Windrades als ein erheblicher Eingriff in Natur und Landschaft hingenommen werden müsse.

Auch das insoweit immer wieder angeführte Argument der zu schaffenden Ausgleichsflächen darf dann nicht fehlen. Nicht hingenommen werden kann, es gebe keine großen Kahlschläge und die großen Abstände zwischen den einzelnen Anlagen lasse weite Waldteile unberührt.

Die Angabe, ein Windrad nehme auf Dauer eine Fläche von 0,3 bis 0,5 Hektar in Anspruch, ist trügerisch. In Althausen entsteht ein Windpark mit vielen Windrädern in hier bislang unbekannter Dimension, dem sich in Richtung Boxberg ein noch weit größerer Windpark anschließen wird. Wie lange es dauern wird, entsprechende Ausgleichsflächen aufzuforsten, bis wieder ein Ökosystem Wald ensteht, wird Herrn Klöpfer aus seiner beruflichen Erfahrung bekannt sein. Eines ist sicher, selbst bei bester Gesundheit werden wir beide es nicht mehr erleben. Im Hinblick auf den Flächenverbrauch sind auch ganz andere Werte im Umlauf.

So wurde zum Beispiel auf den Baustellen für den Windpark Ellern im Soonwald nachgemessen und ein Flächenverbrauch von 0,8 bis 1 Hektar (8000 bis 10 000 Quadratmeter) ermittelt. Der von Herrn Klöpfer verwendete Begriff "auf Dauer" verschleiert den Umstand, dass für die Errichtung der Windräder in der Bauphase weit mehr Flächen gerodet werden müssen, so riesige Flächen für Baumaterial, Zufahrtswege, die mitten in den Wald geschlagen massiv für den Schwerlastverkehr verdichtet werden. Im Windpark Ellern wurden Trassen mit einer Breite von 15 bis 21 m gemessen. Letztlich muss der erzeugte Strom auch oberirdisch abgeführt werden. Ob auf der von Herrn Klöpfer genannten Wegbreite von sechs Meter Rotorblätter mit bis zu 70 m Länge transportiert werden können, halte ich eher für unwahrscheinlich. Mich persönlich haben hierzu die Bilder der Bürgerinitiative Althausen zum gerodeten Wald bzgl. des Windparks bei Walldürn sehr nachdenklich gestimmt. Die Angabe, der große Abstand zwischen den einzelnen Windräder lasse weite Waldteile unberührt, wirft die Frage auf: Was versteht ein ehemaliger Forstamtsmitarbeiter unter unberührtem Wald? Und zu guter Letzt: Es geht auch um die Bürger Althausens, die künftig in unmittelbarer Nähe zu den geplanten Windparks leben müssen und massive Beeinträchtigungen befürchten.

Ich glaube nicht, dass diese Bürger schwache Argumente haben und polemisch sind. Vielmehr ist die Anzahl der Bürger zu schwach, besser zu gering, um ihren Argumenten Nachdruck zu verleihen. Es liegt mir fern, lokalen Politikern oder Amtsträgern Schulnoten zu vergeben, der Leserbriefschreiber Robert Volkert hat unserem Oberbürgermeister zumindest noch den Zusatz "+" vergeben. Eine klare Unterstützung der Ablehnung von Windparks in Wäldern durch bislang schweigende lokale Politiker, Amtsträger und auch der katholischen Kirche als Eigentümer des Spitalwaldes würde ich mir aber schon wünschen. Soweit Herr Klöpfer das laufende Artenschutzgutachten anspricht, wird er wohl wissen, dass ein künftiger Betreiber der Windkrafträder der Auftraggeber ist.

© Fränkische Nachrichten, Mittwoch, 15.05.2013