Verunglimpfung geht entschieden zu weit

Von Thomas Reiser

Klare Frage, klare Antwort, Herr Heidrich, unser Strom wird auch in 50 Jahren noch aus der heimischen Steckdose kommen. Die spannende Frage wird sein, wie produzieren wir künftig intelligent und nachhaltig Strom, ohne die Umwelt, die Bürger und künftige Generatio-nen zu belasten. Hierüber kann man kontrovers diskutieren. Und der Veranstalter beziehungsweise die Bürgerinitiative will mit seiner Namensgebung "WindWAHN-Nein-Danke-Bad Mergentheim" doch bereits klarstellen, dass er nicht generell gegen Windkraft ist.

Anderenfalls wäre doch die Namensgebung "WINDKRAFT- Nein Danke" zielführender. Die Bürgerinitiative hat in vielen Veröffentlichungen und Veranstaltungen auch eindeutig Position zur Energiewende bezogen und insoweit den Ausstieg aus der Atomenergie begrüßt. Im Rahmen der Energiewende wird die Windenergie eine Rolle spielen (müssen). Grundvoraussetzung hierfür sind aber erst einmal ausreichende, derzeit nicht vorhandene Speicherkapazitäten bzw. -möglichkeiten und der Ausbau der Netzkapazitäten für Ökostrom. Gefordert werden muss eine gesamteuropäische Lösung. Keiner will, dass zum Beispiel Elektroautos mit Atomstrom aus europäischen Nachbarländern geladen werden oder der Strom aus deutschen Windkraftanlagen an der europäischen Strombörse verramscht wird, während der deutsche Stromkunde zur Kasse gebeten wird.

Soweit Sie eine Anti-Windkraft-Lobby ansprechen, Herr Heidrich, könnte es nicht sein, dass unter dem Deckmantel der Energiewende sich eine weitere Lobby zu Lasten unserer Region gebildet hat, die aus überwiegend finanziellen Interessen sich mangels anderer lukrativer Anlagemöglichkeiten der stark subventionierten Windenergie verschrieben hat, die Gewinne sogar in windschwächeren Gebieten verspricht?

Ich weiß nicht, was ihnen das Plakat "geflüstert" hat, letztlich steht hier nur, dass zwei Bereiche, Natur und Landschaft sowie die Windkraft sich gegenüberstehen. Dass beide Bereiche sich gegenseitig beeinflussen, je nach Interpretation mit völlig kontroversen Ergebnissen, ist unstrittig. Auch die Position des Referenten wird eindeutig sein.

Bereits das Plakat anzuprangern mit der Argumentation, Windkraft und Naturschutz würden sich gegenseitig ausschließen, und dies mit der Aussage zu kommentieren, dies sei ein völliger Schwachsinn, geht entschieden zu weit.

Auf dem Plakat steht nicht: Windkraft zerstört Natur und Landschaft. Dies ist ihre eigene Interpretation. Es steht Ihnen nicht zu, die neutrale Aussage des Plakates öffentlich als Schwachsinn abzutun und den Veranstalter hierdurch zu verunglimpfen! Herr Heidrich, Ihre Ausführungen zur Wasserkraft und Anstauung der Tauber auf Höhe der Autobahnbrücke haben mich beeindruckt. Der Stausee hätte einen weiteren Vorteil für die Partei der Piraten. Endlich genügend Platz für Ihr Piratenschiff!

 © Fränkische Nachrichten, Samstag, 11.01.2014