Landrat pflegt eine Politik der Zweiklassengesellschaft

Von Franz Adam

In dem Bericht "Herausforderungen gemeinsam meistern" äußert sich Landrat Reinhard Frank unter anderem zum Thema Windkraft. Es seien bereits 82 Windräder in Betrieb und insgesamt bis zu 200 geplant. Wenn man davon ausgeht, dass aufgrund der zu erwartenden Subventionskürzungen von den ursprünglich 1200 Windräder nur noch 600 realisiert werden, bedeutet dies, dass etwa 35 Peozent aller Windräder in unserem Kreis stehen werden.

Bei uns drehen sich dann 200 Windmonster, in den anderen 34 Landkreisen statistisch nur jeweils elf. Im Klartext: Die Energiewende wird nach dem Willen der Landesregierung und durch die tatkräftige Unterstützung unseres Landrates auf dem Rücken der Menschen im Main-Tauber-Kreis umgesetzt, da wir im Vergleich zu den anderen Landkreisen dann die 19-fache Last zu tragen haben. Man kann sich leicht vorstellen, wie sich das liebliche Taubertal in eine öde Industrielandschaft verändern wird, wenn es durch 200 Riesenmonster zerspargelt wird. Landrat Frank weist weiter darauf hin, dass wir aufgrund der ausgeprägten Windhöffigkeit einen großen Anteil der Windenergie zu schultern hätten. Dabei verharmlost er schon sprachlich das Problem und formuliert schwammig "wir haben es zu schultern". Landrat Frank hat nichts zu "schultern", er lebt in Tauberbischofsheim. Aber die betroffenen Menschen in den Dörfern sind die Leidtragenden und haben große Sorgen um ihre Zukunft, um ihre Lebensqualität und ihre Gesundheit.

Bei einer Diskussion auf dem Mergentheimer Marktplatz antwortete Frank den erstaunten und dann verärgerten Diskutanten: "Auch ich möchte nicht in Althausen oder Apfelbach wohnen." Man kann sich deshalb schon die Frage stellen, nach welchen Grundsätzen er sein politisches Handeln ausrichtet und wem er sich verpflichtet fühlt.

Ein weiteres Beispiel dazu: Ein Positionspapier des Tourismusverbandes "Liebliches Taubertal" vom 19. März 2013, dessen Vorsitzender Landrat Frank ist, warnt vor den negativen Auswirkungen der WKAs auf den Tourismus und schlägt deshalb folgende Lösung vor: "Da sich der Tourismus im "Lieblichen Taubertal" überwiegend im Taubertal, im Maintal und in den Seitentälern abspielt, sollen Windkraftanlagen möglichst so positioniert werden, dass diese grundsätzlich vom Talgrund nicht einsehbar sind" und weiter "Für Windkraftanlagen sollen solche Standorte auf Hochflächen ausgesucht werden, die mit den genannten touristischen Interessen vereinbar sind.

Primär sind solche Flächen abseits der touristischen Entwicklungsachsen und abseits der Städte, Gemeinden und Dörfer mit historischen sowie sehenswerten Ortskernen gegeben".

Mit anderen Worten, Landrat Frank fühlt sich nicht den betroffenen Menschen, sondern dem Tourismus und der hiesigen Windkraftlobby verpflichtet. Dies ist eine Politik der Zweiklassengesellschaft!

Gibt es sie noch, die aufrechten und mutigen Gemeinderäte und Kreisräte, die unerschrocken und kämpferisch das Wort ergreifen und ihre Wähler vor dieser naturzerstörenden und menschenverachtenden Technologie schützen und einem profithörigen Landrat die Stirn bieten?

© Fränkische Nachrichten, Mittwoch, 08.01.2014